UAV-Technologie-Dienstleistungen im Schatten negativer Wahrnehmung

Da ist schon wieder so eine Meldung in den Nachrichten, die uns fassungslos macht: „Tierquäler hetzt Pferde mit Drohne über Wiese bei Riedering“. Irgend ein Irrer treibt mit einem Multicopter aller gröbsten Unfug, Pferde geraten in Panik und verletzen sich. Damit nicht genug: Schließlich attackiert der Unbekannte im Tiefflug sogar eine Reiterin. Der „Pilot“ selbst ist nicht zusehen und die Polizei ermittelt…

Dabei sollte die neue Drohnenverordnung gerade diese Probleme adressieren und aus der Welt schaffen. Was aber seit Inkrafttreten des Gesetzes Anfang April 2017 passiert, ist das Folgende:

Unternehmen und professionelle Piloten haben nicht nur große Summen in die High Tech Flugplattformen und Sensoren wie Wärmebildtechnik, hochauflösende Systemkameras, Software etc.  investiert, sondern brauchen neben Versicherungen mit hoher Schadensdeckung vor allem eines: Behördliche Genehmigungen für ihre Arbeit. Das ist alles spätestens seit dem 7. April 2017 in der Luftverkehrsordnung (LuftVO, §21) detailliert geregelt. Darüber hinaus benötigt jeder, der ab dem 1. Oktober 2017 eine Drohne mit mehr als 2 kg Gesamtmasse fliegen lassen möchte, einen Kenntnisnachweis den sog. „Drohnenführerschein“, dessen Form und Prüfungsfragenkatalog gerade vom Luftfahrtbundesamt (LBA) genehmigt wurde und die ersten Prüfungsabnahmen in den kommenden Wochen beginnen. Zudem  ist ein „sauberes“ polizeiliches Führungszeugnis Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung.

Das Dilemma besteht darin, dass gerade die kleineren, aber bestens ausgerüsteten und bis 75km/h schnellen Quadrokopter mit gerade mal 1,4 kg Fluggewicht unter dieser magischen Gewichtsgrenze liegen und Hobbypiloten keinerlei Prüfung ablegen müssen. Somit wird diese Gruppe nicht gezwungen, sich mit den gesetzlichen Regelungen zum Betrieb von  UAVs (unmanned aerial vehicles) vertraut zu machen. An die Bestimmungen der Luftverkehrsordnung sowie die jeweiligen Regelungen der Länder ist allerdings jeder, der eine Drohne fliegen lässt, gebunden. Und, Unwissenheit schützt nicht vor den Konsequenzen!

Fast immer, wenn wir einen Auftrag in oder in der Nähe eines Wohngebietes haben, kommen nach wenigen Minuten besorgte Bürger, um nach dem Rechten zu sehen. Leider begegnen uns die Mitbürger oftmals mit Skepsis und Misstrauen. Unser Octocopter würde so nahe an Ihrem Grundstück oder gar darüber fliegen, was wir denn da gerade machen, es sei doch verboten. Manchmal hilft dann ein Blick in den Monitor während des nächsten Fluges: Man sieht z.B. Bilder zur Geländevermessung die aus 70 Meter Höhe aufgenommen werden. Oder erstaunlich farbenfrohe Wärmebilder defekter Zellen einer PV-Anlage die von der High-Tech Infrarotkamera des Multicopters, der etwa 15 Meter über dem Dach schwebt, auf den Bildschirm übertagen werden.

Erklärungen zu unseren Rechten und Pflichten, die wir als Luftraumnutzer haben, helfen da oft wenig. Selbst der Hinweis, dass der Einsatz luftfahrtrechtlich genehmigt und beim Ordnungsamt der Stadt, sowie bei der zuständigen Polizeidienststelle angemeldet wurde, wird dann mit einem “ja, aber..“ zur Kenntnis genommen. Wie soll der Laie dieses Thema, bei all den negativen „Drohnen-Meldungen“ auch objektiv bewerten?

Was da am letzten Freitag (21.07.2017) im oberbayerischen Riedering passiert ist, ist lange kein Lausbubenstreich mehr. Nach unserem Rechtsverständnis handelt es sich vielmehr um einen kriminellen Akt und einen Verstoß gegen gültiges Recht und jegliche Vernunft. In der Luftverkehrsordnung und durch das zuständige Luftamt Süd der Regierung von Oberbayern sind u.a. die folgenden Punkte klar geregelt:

Das UAV  muss immer in Sichtweite des Steuerers sein (z.B. ist eine Videobrille nicht zulässig).

Das unbemannte Luftfahrtsystem ist so zu betreiben, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Personen, landwirtschaftliche Nutztiere und Sachen, nicht gefährdet oder gestört werden. Personen dürfen nicht angeflogen werden.

Multicopter haben ein ungeahntes, positives Zukunftspotential und die Zukunft vieler neuer Technologien profitieren vom erfolgreichen UAV-Einsatz oder sind sogar von dieser Technologie abhängig. Gerade im Bereich „erneuerbare Energien“ sind Multicopteranwendungen Teil der Prüfungs- und Instandhaltungskonzepte. Nicht zuletzt war dies die Motivation 2016 Videographics zu gründen und in diese Technologie zu investieren.

Schade, dass der Einsatz von unbemannten Luftfahrtsystemen in unserem Land aufgrund derartiger Vorfälle mehrheitlich negativ besetzt ist. Der unverantwortliche Umgang mit dieser noch jungen Technologie einiger weniger „schwarzer Schafe“ bedroht den Erfolg und die Existenz all derer, die sich einem professionellen und verantwortungsvollen Umgang mit unbemannten Flugsystemen als Kern einer Technologie-Dienstleistung verpflichtet haben.

Der Link zum Bereich unbemannte Luftfahrt der Regierung von Oberbayern, Luftamt Süd:
https://www.regierung.oberbayern.bayern.de/aufgaben/wirtschaft/luftamt/genehmigung/08883/index.php

 

2017-08-01T09:19:12+00:00 01/08/2017|